Bauspielplatz - Evaluation
Kurzfassung: Ergebnisse der Evaluation im Überblick
Für die Evaluation der bisherigen Arbeit des Bau- und Abenteuerspielplatzes "Wilde Blüte" (BSP) im Neuruppiner Neubaugebiet wurden rund 50 Kinder interviewt sowie jeweils etwa 50 Eltern und Expert/innen befragt.
Zentrales Ergebnis aller Befragten ist, dass der Bauspielplatz für die Freizeitgestaltung der Kinder und Jugendlichen aus dem Wohnumfeld eine große Bereicherung darstellt. Für die Fortführung der vor nahezu zwei Jahren begonnen Arbeit sprechen sich alle befragten Gruppen mit überwiegender Mehrheit aus. Während die meist pädagogisch tätigen Expert/innen vor allem den Bedarf an kostenfreier betreuter Kinder- und Jugendarbeit betonen, die im Falle des Bauspielplatzes ganzjährig Sport und Bewegung bietet sowie einen niedrigschwelligen Kontakt zu den teils sozial benachteiligten Familien im Wohnumfeld, schätzen die Eltern zusätzlich die für die Entwicklung der Kinder anregenden und sehr abwechslungsreichen Angebote sowie, dass die Kinder auf dem BSP auf praktische Art und Weise lernen.
Mehr als 80% der befragten Kinder sind "Stammpublikum", sie kommen nach eigener Aussage jede Woche mehrmals auf den BSP. Folgt man den mehrheitlichen Aussagen unserer Befragung, so ist die Freizeitgestaltung außerhalb der Öffnungs- oder Besuchszeiten für viele wenig förderlich: Der größere Teil ist auf Straßen oder Plätzen wie dem Reitz unterwegs oder sitzt zu Hause vor dem Computer oder Fernseher. Etwa ein Drittel ist überwiegend alleine. Kreative Beschäftigungen und Bewegung haben außerhalb des BSP bei den Kindern im Neubaugebiet einen geringen Stellenwert: Nur etwa ein Fünftel nennt solche Freizeitbeschäftigungen.
Folgt man dagegen den Aussagen, was den BSP für die Kinder und Jugendlichen so attraktiv macht, ergibt sich eine ganz andere Prioritätenliste: Fast alle Kinder im Grundschulalter schwärmen von dem abwechslungsreichen Angebot an Spielmöglichkeiten, während die etwas Älteren den BSP vor allem als sozialen Treffpunkt schätzen. Unabhängig vom Alter werden das Bauen und der Umgang mit echtem Werkzeug als Magnet beschrieben. Als besondere Bestätigung für die Arbeit des Teams kann gewertet werden, dass mehr als 7 von 10 Kindern die Anwesenheit von Erwachsenen als Grund nennen, ihre Freizeit auf dem BSP zu verbringen: Sie fühlen sich dort sicherer, vor allem vor Pöbeleien und anderen Gewaltformen.
Sicherheit und Schutz sind offensichtlich ein Bedürfnis vieler Kinder. Wären die Kinder einmal Chef/in auf dem BSP würden sie noch mehr darauf achten, dass soziale Regeln eingehalten werden; einige würden sogar zusätzliche Regeln einführen.
Etwa ein Drittel der befragten Eltern fühlt sich vom BSP Team bei der Erziehung und Förderung der Kinder unterstützt. Etwa doppelt so viele loben die familiäre, unkomplizierte Atmosphäre auf dem Platz und viele, dass man jederzeit vorbeikommen kann, um gemeinsam etwas mit dem Kind zu machen. Besonders befragte Eltern ohne Arbeit sowie Alleinerziehende betonen die familiären und sozialen Aspekte des BSP für Eltern und Kinder. Etwa drei Viertel der Eltern erklärten sich bereit, durch ehrenamtliche Mitarbeit die Arbeit des BSP zu unterstützen.
Die Befragten Expert/innen wünschen sich zu mehr als einem Drittel eine verstärkte Zusammenarbeit mit dem BSP, z.B. durch Nutzung mit Schul- oder Hortklassen oder gemeinsame Projekte zum alltagspraktischen Erfahren und Lernen.
Inhaltsverzeichnis
- Ziele und Methoden
- Ergebnisse der Kinderbefragung
- Wie wichtig ist der BSP den Kindern und Jugendlichen?
- Was macht den BSP attraktiv für Kinder und Jugendliche?
- Wie oft und seit wann kommen die Kinder und Jugendlichen?
- Freizeit ohne BSP - wie sieht die aus?
- Der BSP - ein Platz für die ganze Familie?
- Einzugsgebiet des BSP
- Angenommen, ab morgen bist du Chef/in hier ...
- Was wissen wir noch über die befragten Kinder und Jugendlichen?
- Ergebnisse der Elternbefragung
- Ergebnisse der Expertenbefragung
I.) Ziele und Methoden
1. Ziele der Evaluation
Vor knapp zwei Jahren begann der Spiel- und Baubetrieb auf dem Bauspielplatz "Wilde Blüte" im Neuruppiner Neubaugebiet. Ziel ist es einen abwechslungsreichen, betreuten Spiel- Lern und Lebensort für Kinder und Jugendliche im Alter von 4-14 zu schaffen. Das Neubauquartier ist geprägt von hoher Arbeitslosigkeit; vielen Alleinerziehenden und Familien, die erzieherische Unterstützung erhalten und bedürfen. Der Bauspielplatz "Wilde Blüte" will Kinder und Jugendlichen ermöglichen in einer aufforderungsreichen Umgebung sich ausprobieren zu können, handwerkliche Fähigkeiten zu entdecken, ihre motorische Möglichkeiten zu erweitern und in ihrem sozialen Verhalten gefördert werden. Wichtiges Ziel der Arbeit ist, die Kinder selbst bestimmen zu lassen, sie zu unterstützen eigene Wünsche und Bedürfnisse zu artikulieren, aber auch Grenzen selbstverantwortlich zu ziehen und zu akzeptieren. Die Mitarbeiter des Platzes verstehen sich daher zu allererst als Begleiter, die den Kindern und Jugendlichen zur Verfügung stehen. Und auch für die Erwachsenen, Eltern und Großeltern möchte der Platz ein anregendes Umfeld bieten, sich mit ihren Kindern auf ganz neue Weise im gemeinsamen bauen, entdecken alter Handwerkstechniken, in einem anderen Tonfall zu begegnen. Hier stehen die MitarbeiterInnen ihnen als BeraterInnen und UnterstützerInnen zur Seite. Der Platz wird täglich von ca. 30 -50 Kindern und Jugendlichen im Altern von 4-14 besucht. Es kommen auch zunehmend mehr Eltern und Großeltern, die mit ihren Kindern Hütten bauen, spielen oder sich mit anderen Eltern unterhalten.
Nun zum zweiten Geburtstag ist sozusagen das eigene Geburtstagsgeschenk eine Evaluation. Nach einer Aufbau- und Entwicklungsphase, der dann einer Zeit intensiver pädagogischer Arbeit folgte, sollte innegehalten werden und überprüft werden, inwiefern wir mit unserer Arbeit die gesetzten Ziele erreichen und unser Konzept umsetzen konnten.
Mit dieser Evaluation soll überprüft werden, ob unsere eigenen Wahrnehmung, dass wir an diesem Standpunkt eine gute und wichtige Arbeit machen, auch von unseren Zielgruppen den Kindern und Jugendlichen und Eltern wahrgenommen wurde. Zugleich wurden unterschiedliche Experten nach ihrer Einschätzung gefragt, um einen professionelle Sichtweise den Einschätzungen der Kinder und Eltern zur Seite zur stellen. Die Evaluation dient dazu die besonderen Stärken und Schwächen unserer Arbeit herauszuarbeiten. Wichtig ist uns dabei herauszufinden, wie Kinder und Eltern die Rollen der Mitarbeiterinnen empfinden, ob ihre Interessen, Wünsche und Erwartungen aufgenommen bzw. erfüllt werden. Was ihnen an diesem Platz besonders wichtig ist und welche Rolle es für ihre Lebensqualität spielt.
2. Methoden der Evaluation
Die Befragungen und Interviews, auf denen die Evaluation des Bauspielplatzes (im Folgenden BSP) basiert, wurden im Mai und Juni 2007 in Neuruppin durchgeführt. Die leitende Frage, wie die Nutzer/innen, hauptsächlich die Kinder, aber auch die Eltern und Vertreter/innen von anderen Einrichtungen den BSP annehmen und wie sie seine Arbeit einschätzen, bestimmte die befragten Zielgruppen. Die Auswahl der Befragungsmethoden folgte der Zielsetzung, den Besonderheiten der Zielgruppen sowie wirtschaftlichen Erwägungen. Unter Berücksichtigung der vorhandenen Möglichkeiten ergab sich eine dreigleisige Vorgehensweise bei der Datensammlung:
- Halbstandardisierte Interviews mit den Kindern auf dem BSP
- Fragebogen für Eltern in der direkten Umgebung des BSP sowie für "Einrichtungseltern", also Eltern, deren Kinder den BSP mit ihren Schulen, Hortgruppen oder Kitas nutzen
- Fragebogen für Expert/innen, die aufgrund ihrer professionellen Aufgaben mit dem BSP kooperieren bzw. in naher Zukunft eine Kooperation mit dem BSP planen.
Die Erhebungsinstrumente, also der Interviewleitfaden für die Kinder sowie die Fragebogen für Eltern und Expert/innen wurden von der Autorin sowie den Mitarbeiter/innen des BSP gemeinsam entwickelt. Die Verteilung der Fragebogen übernahm ESTAruppin e.V.. Die Interviews mit den Kindern führten zwei Interviewerinnen durch, nachdem sie in den Interviewleitfaden sowie die Datendokumentation eingearbeitet worden waren.
Befragung der Kinder fand direkt auf dem BSP während der Öffnungszeiten statt. Mündliche und plakatierte Hinweise informierten die Eltern und Kinder darüber, dass eine Befragung stattfinden soll. Die Teilnahme an den Interviews war für die Kinder selbstverständlich freiwillig. Teilnehmende Kinder sollten mindestens sieben Jahre alt sein, damit ein Verständnis für die Fragen vorausgesetzt werden konnte. Weitere Kriterien für die Teilnahme an den Interviews existierten nicht.
Die Auswertung der Interviews erfolgte sowohl quantitativ als auch qualitativ. Entsprechend der Regeln zum Umgang mit verbalen Daten wurden die inhaltlichen Aussagen der Kinder zunächst thematisch in Kategorien gefasst und anschließend - zumindest teilweise - für statistische Analysen quantifiziert.
Bei der Auswertung aller Daten - also Interviews und Fragebogen - bestimmten wir vor allem Häufigkeiten, mit denen Inhalte und Merkmale innerhalb einer Zielgruppe vorkommen. Daneben verglichen wir - je nach Fragestellung - Mittelwerte bei bestimmten Untergruppen oder prüften, ob bestimmte Variablen inhaltliche Zusammenhänge aufweisen. Werden also signifikante Ergebnisse berichtet, so basieren sie entweder auf einem Mittelwertsvergleich oder auf einer statistischen Korrelationsprüfung.
Die Dokumentation der Evaluation ist in drei Teile gegliedert: Ergebnisse zur Kinderbefragung, Ergebnisse der befragten und Eltern und danach der Expert/innen. Weitere Informationen über die jeweilige Gruppe bzw. Stichprobe finden sich in den entsprechenden Abschnitten.
II) Ergebnisse der Kinderbefragung
Der Bau- und Abenteuerspielplatz öffnet seine Pforten an 5 Nachmittagen wöchentlich für seine informellen Nutzer und Nutzerinnen, also Kinder und Erwachsene, die aus eigener Lust und Laune dort hinkommen: ohne Anmeldung, ohne festgelegte Zeiten oder vorgegebenes Programm. Neben dieser "Laufkundschaft" wird der BSP auch von Kindern genutzt, die mit ihrer Hortgruppe, Schulklasse oder dem Kindergarten kommen. Solche "Einrichtungskinder" fließen jedoch nicht in die Auswertung ein. Ausschließlich Kinder, die den Bauspielplatz informell nutzen, nahmen an den Interviews teil. Ihre Einschätzungen und Ansichten zum Bauspielplatz werden im folgenden Kapitel beschrieben.
1. Wie wichtig ist der BSP den Kindern und Jugendlichen?
Insgesamt erklärten sich 48 Jungen und Mädchen bereit, in einem Interview über ihre Vorlieben und Erfahrungen auf dem BSP Auskunft zu geben. Eine zentrale Frage des Interviews war, wie wichtig der BSP Wilde Blüte für die Freizeitgestaltung der Kinder ist? Anhand einer visualisierten Skala von 1 bis 10 konnten sie ihre Einschätzungen dazu abgeben, wobei 1 für "vollkommen unwichtig" und 10 für "sehr wichtig" steht.
Abbildung 1: Wichtigkeit des BSP aus Sicht der befragten Kinder und Jugendlichen
(N=431, Prozentangaben für 22 Mädchen, 21 Jungen);
Abbildung 1 gibt das für den Bau- und Abenteuerspielplatz extrem positive Ergebnis wieder. Selbstverständlich muss davon ausgegangen werden, dass den Kindern etwas am BSP zusagt, die dort anzutreffen sind. Die Einschätzung ist jedoch einstimmig so positiv, dass für viele Kinder von einer deutlichen Bereicherung ihrer Freizeitgestaltung ausgegangen werden muss.
Entsprechend dieser extrem positiven Einschätzungen liegt auch der durchschnittlich vergebene Wert für die individuelle Wichtigkeit bei den interviewten Kindern mit 9,4 von 10 möglichen Punkten sehr hoch. Eine Einschätzung unterhalb der Mitte der Skala gab kein einziges Kind ab. Gemeinsam mit den Eltern (vgl. Kapitel III) halten also die Kinder den BSP für eine sehr gute Einrichtung im Neubaugebiet, die ihre Freizeitgestaltung bereichert und entsprechend wichtig genommen wird.
Daneben zeigt die Abbildung deutlich, dass die befragten Jungen und Mädchen etwas unterschiedliche Einschätzungen abgaben. Während die Jungens als Gruppe einen durchschnittlichen Wert von 9,7 nannten, kommt die Mädchengruppe auf den signifikant niedrigeren Wert von 9,0 (signifikant auf 5%-Niveau). Bei einer genaueren Prüfung zeigte sich, dass bei den Mädchen nach dem Grundschulalter die Bedeutung des BSP für die eigene Freizeitgestaltung abnimmt, während sie bei den männlichen Gästen unabhängig vom Alter auf einem hohen Niveau bleibt.
Jugendliche Mädchen finden den BSP nicht nur weniger wichtig für ihre Freizeitmöglichkeiten und kommen entsprechend auch in geringerer Zahl auf den BSP. Da dies bei den Jungs nicht der Fall ist, sollte geprüft werden, inwieweit die Angebote geeignet sind auch jugendliche Mädchen anzusprechen.
Bei der von den Kindern nahezu einstimmig hoch eingeschätzten Bedeutung des BSP überrascht es nicht, dass keine weiteren Kriterien gefunden werden konnten, die diese Einschätzung bei den Kindern beeinflussen könnte. Weder die Art der Schule noch die Häufigkeit der Besuche oder ein anderes erfasstes Merkmal haben einen Einfluss darauf, wie wichtig der BSP für die befragten Kinder und Jugendlichen ist.
2. Was macht den BSP attraktiv für Kinder und Jugendliche?
Was mögen die Kinder am BSP? Was zieht sie an, was machen sie gerne dort? Weshalb ziehen sie den BSP anderen Spielplätzen im Wohngebiet vor? Weshalb kommen sie auf den BSP anstatt andere Möglichkeiten zu nutzen oder zu Hause zu bleiben? Was ist das Besondere am BSP Wilde Blüte?
Das halbstandardisierte Interview erfasste diesen Aspekt mit einer offenen Frage. Die Antworten wurden im Anschluss inhaltlich zusammengefasst und kodiert, so dass sie auch in die quantitative Auswertung einfließen konnten. Entsprechend dieses offenen Charakters erhalten die Antworten zusätzliches Gewicht: Sie spiegeln die individuellen Vorlieben der Kinder wider. Wörtliche Zitate aus den Interviews sind mit Anführungs- und Schlusszeichen markiert.
2.1 Weshalb kommst Du gerade hierher?
Aus den Antworten der Kinder und Jugendlichen auf diese Frage konnten sieben inhaltliche Kategorien gebildet werden. Ursprünglich war eine Einteilung der Antworten in Sport, angeleitete Arbeitsgruppen - AG´s - usw. geplant; diese Kategorien passten jedoch nicht wirklich zu den Schilderungen der Kinder. Ihnen scheint es egal zu sein, ob eine Aktivität als AG ein explizites Angebot darstellt oder ob ein Freund eben mal eine gute Idee hatte - wenn es Spaß macht, dann ist es gut. Was macht denn nun Spaß am BSP?
Alle kommen aus freien Stücken
Ein Ergebnis taucht in den folgenden Kategorien nicht auf und wurde von den Kindern auch nicht explizit genannt. Bei der Auswertung fiel es genau deshalb auf: Kein einziges Kind erzählte, es sei von den Eltern oder anderen Erwachsenen auf den BSP geschickt worden, um dort seine oder ihre Zeit zu verbringen. Wir schließen darauf, dass alle interviewten Kinder freiwillig, aus eigener Entscheidung ihre Freizeit auf dem BSP verbringen. Ein Ergebnis, dass gut zu den Aussagen der befragten Eltern passt: Nur wenige nutzen die betreute Zeit ihrer Kinder für Erledigungen oder gehen einem Job nach in dieser Zeit.
A)Der BSP als Treffpunkt und sozialer Ort
Auch wenn diesen Ausdruck die interviewten Kinder so nicht gebrauchen: Viele kommen, weil hier ein Treffpunkt ist, weil "hier viele Kinder sind", man sich hier verabreden und mit anderen etwas machen kann. "Hierher kommen fast alle, die ich kenne" oder man hier "Freunde finden kann"; man kann "quatschen", "planen, was man machen will". Erwähnt wird auch immer wieder, dass auf dem BSP Parties gefeiert werden, z.B. zum Geburtstag und dass es demnächst auch Tanzabende geben wird. Ein Jugendlicher umschreibt es so: "Hier ist Zusammenhalt, es wird geteilt und es geht darum, freundlich miteinander zu sein."
Einige der älteren Jungs betonten, dass sie auf dem Platz den Erwachsenen helfen würden, z.B. Rohre für eine Drainage legen, den Kindern beim Bauen helfen usw. Es scheint insbesondere für männliche Jugendliche ein Feld zu bieten, sich sozial und unterstützend zu zeigen bzw. nach eigener Einschätzung nützlich zu sein: "Hier kann ich helfen", beantwortete ein Jugendlicher die Frage, weshalb er seine Nachmittage auf dem BSP verbringe. Der BSP ist also nicht einfach ein Treffpunkt für Kinder aus dem Umfeld, er unterstützt auch soziale Verhaltensweisen bei den Besucher/innen.
B) "Es ist gut, dass Erwachsene da sind"
Dieser Aspekt ist die Bronzemedaille des Platzes aus Sicht der interviewten Kinder; drei Viertel erwähnen diese Tatsache als Vorteil des Platzes bzw. als Grund, diesen und nicht andere Plätze zu besuchen. Bei genauer Betrachtung der Interviews hat dieser Aspekt zwei inhaltliche Pfunde:
Wesentlich, vor allem für jüngere Kinder, ist die Sicherheit, die durch die Erwachsenen erhöht wird. Dazu gehört die Hilfe, "wenn etwas passiert", "jemand sich verletzt" oder "jemand gebraucht wird". Zum Beispiel hatten sich Kinder einen Nagel in den Fuß getreten und die Erwachsenen waren sofort zur Stelle.
Noch bedeutsamer scheint jedoch der Schutz davor, geärgert zu werden wie Kinder es von nicht betreuten Plätzen erzählen. Auf dem Platz ist "Gewalt jeglicher Art verboten" und "Streithähne werden rausgeschmissen". Diesen verlässlichen Schutz durch Erwachsene führen Kinder aller Altersgruppen an. "Hier werd ich nicht geärgert" lautet eine mehrmals gemachte Aussage. Manche loben direkt, dass es Regeln gibt und die Erwachsenen darauf achten. Auch dies scheint Sicherheit zu geben und ein echter Vorzug vor unbetreuten Plätzen zu sein. Eingedenk der vielen Berichte über Schulmobbing, Gewalt zwischen Kindern etc. ist dieser Punkt nicht zu vernachlässigen. Die Bedeutung von Schutz durch Regeln griffen die Kinder bei einer anderen Frage nochmals deutlich auf: Wären sie Chefs auf dem Platz, würden viele von ihnen noch mehr auf die Regeln gegen Streit und Zerstörung achten (vgl. Abschnitt 7 dieses Kapitels).
Einige Kinder, vor allem Ältere, finden einfach, es seien "coole Erwachsene" auf dem Platz. Die erwachsenen Betreuer/innen auf dem Platz werden also kaum als Spielpartner/innen in Sachen Freizeitgestaltung (vgl. Punkt B) gesehen, sondern ihre Funktion aus Sicht der Kinder ist es vor allem, Sicherheit und Schutz sowie einen sozial angemessenen Ablauf zu sichern. Dass der BSP professionell betreut ist, rangiert bei den interviewten Kindern nach den vielen Beschäftigungsmöglichkeiten und dem Bauen an dritter Stelle als Grund, genau diesen Platz und keinen anderen aufzusuchen.
B)Viele gute Spielsachen und auch sonst viel zu machen
Abbildung 2: Weshalb kommst Du gerade hierher?
(N=48, Prozentangaben für Jungen, Mädchen und Gesamtgruppe)
Die vielfältigen Möglichkeiten machen die Goldmedaille des BSP Wilde Blüte aus Sicht der Kinder: Mit Wasser spielen, Trecker fahren, klettern, verstecken, ... malen, basteln, Brettspiele, ....die von den Kindern genannten bevorzugten Beschäftigungen sind sehr breit gestreut. Ob es sich dabei um eine AG handelt oder nicht, ist völlig unerheblich. Von der ruhigen Leseecke bis zum Toben, Klettern und rummatschen finden Kinder offensichtlich jeden Tag das für die Stimmung und das Bedürfnis passende. Die Ausstattung ist in irgendeiner Form bei fast allen Kindern ein Grund, den BSP zu besuchen. Nur drei interviewte Kinder nennen ausschließlich andere Gründe, die ihrer Meinung nach den BSP auszeichnen.
Zusammenhängend mit den Möglichkeiten geht es in einigen Anmerkungen auch um die Ausstattung. So wird der Bauwagen erwähnt für regnerische Zeiten, das Überlaufbecken zum Planschen usw. Lobend wird auch erwähnt, dass es am Platz eine Toilette gibt.
Mit erwachsenen Augen betrachtet bedeutet die Häufigkeit, mit der Kinder die vielfältigen Möglichkeiten anführen auch, dass der BSP offenbar den Kindern sehr viele Anregungen bietet, die vielen Altersstufen und Bedürfnissen gerecht werden. Den Bedürfnissen nach Sport und Bewegung, nach Ruhe und gemeinsamen Spiel, musischer und kreativer Beschäftigung, nach Neuem in AG´s ausprobieren oder "einfach mit Freunden abhängen".
C)Hier macht es einfach Spaß
Sich selbst aussuchen, was gerade Spaß macht oder mit Freunden Spaß haben, ist für einige der wichtigste Grund zu kommen. "Man kann hier viel erleben", sagte ein Junge und zählte auf, was er schon alles hier erlebt hat. "Weil es hier so richtig Spaß macht" und "es gibt eigentlich nix doofes hier" sind sehr umfassende Gründe für Kinder und Jugendliche, den BSP aufzusuchen. Diese Kinder halten sich weniger damit auf, einzelne Aktivitäten aufzuzählen, sondern stellen den Spaß in den Vordergrund.
D)Bauen, hämmern, sägen und die eigene Nagelkiste
... bringen dem BSP die Silbermedaille bei den Gründen, weshalb die Kinder ihre Zeit dort verbringen. Der Bau- und Abenteuerspielplatz kommt mit seinem "echten Werkzeug" sehr gut bei den Kindern an. Dabei ist es nicht allein der Hüttenbau, sondern auch Stühle oder ein Tisch oder etwas anderes Holz. Keinerlei Probleme haben die Kinder anscheinend mit den Regeln rund um das Bauen: Werkzeugausleihe, "Arbeitsschutz" usw. Niemand von den Interviewten beschwerte sich über eine der entsprechenden Auflagen.
Beeindruckend ist, welcher Ehrgeiz für manche darin steckt, eine Nagelkisten-Karriere zu machen und mit welchem Stolz mitgeteilt wird, wenn jemand bereits im Kreis der Nagelkistener angekommen ist.
F) Essen und Kochen
Etwas mehr von Mädchen wird lobend angeführt, dass es dort "immer viel" zu essen und trinken gibt, dass "auf jeden Fall was da ist, wenn man selbst nichts mit hat" oder dass zusammen gekocht und gegessen wird.
E)"Bad und alles sonst kostet ja"
Während bei den Eltern und Expert/innen die Kostenfreiheit hoch angesetzt waren, denken nur wenige Kinder an diesen Aspekt. "Tolle Möglichkeiten ohne Geld" oder "Bad und alles sonst kostet ja" sind Begründungen, die hauptsächlich von Mädchen angeführt werden.
2.2 Wer hat welche Vorlieben?
Nennen Mädchen und Jungen unterschiedliche Gründe, weshalb sie den BSP besuchen? Gibt es verschiedene Vorlieben bei Jungen und Mädchen? Nein, alle genannten Begründungen werden von Jungen und Mädchen gleichermaßen angeführt Weder Bauen noch andere Themen werden von einem Geschlecht stärker betont als vom anderen.
Ein Zusammenhang besteht jedoch zwischen den Vorlieben und dem Alter der Kinder und Jugendlichen. Mit zunehmendem Alter der Kinder und Jugendlichen wird der soziale Aspekt bedeutsamer, während gleichzeitig die Bedeutung der vielfältigen Spielmöglichkeiten abnimmt (signifikant auf 5%-Niveau). Ältere legen mehr Wert auf das Treffen ihrer Freunde und Freundinnen, während die Jüngeren eindeutig die Spielmöglichkeiten in den Mittelpunkt stellen.
Als weiterer Punkt konnte bestimmt werden, dass Kinder, die immer kommen wenn der BSP offen ist, ganz besonders auf die vielfältigen Spielmöglichkeiten stehen. Sie zählen signifikant (5%-Niveau) mehr sie auf den BSP anziehendes Equipment und vielfältige Spielmöglichkeiten auf als die Kinder, die den BSP nicht ganz so regelmäßig besuchen.
Ansonsten ist sich die interviewte Gruppe in ihren Vorlieben und darin, was sie toll finden am BSP ziemlich einig. Die beschriebenen Gründe, was genau die Kinder am BSP mögen, lassen sich nur in den beiden genannten Aspekten auf Subgruppen beziehen. Das Nutzungsverhalten trifft zu, unabhängig davon wo sich die Kinder aufhalten, wenn sie nicht am BSP sind, ob sie ihre andere Freizeit eher alleine oder mit Freunden verbringen, was sie sonst noch gerne machen in ihrer Freizeit, seit wie lange sie schon auf den BSP kommen, ob sonst noch jemand aus der Familie auf den BSP kommt und wie ihre Eltern oder Geschwister den BSP finden.
3. Wie oft und seit wann kommen die Kinder und Jugendlichen?
Abbildung 3: Wie oft kommen die Befragten auf den BSP?
(N=48, Angaben in Prozent).
Neben den Gründen, weshalb die Kinder auf den BSP kommen, wollten wir zur Beschreibung des Nutzungsverhalten auch in Erfahrung bringen, wie häufig und wie dauerhaft die befragten Kinder und Jugendlichen den BSP besuchen und dort ihre Freizeit verbringen. Insbesondere für die Finanzierung aus öffentlicher Hand sind diese Informationen neben den absoluten Besucherzahlen relevant. Denn: Sie geben Auskunft darüber, wie intensiv Kinder die Möglichkeiten zum Spielen und informellen sozialen und praktischen Lernen annehmen.
Laut den Angaben der Kinder scheinen wir vor allem "Stammkunden" interviewt zu haben. Mehr als 80% der von uns interviewten Kinder behauptet, jede Woche Zeit auf dem BSP zu verbringen. Vier von 10 sagten, sie kämen an jeden offenen Tag auf den Platz, und ebenfalls vier von 10, dass sie 3 - 4-mal wöchentlich dort hinkämen.
Diese Zahlen sollten jedoch nicht ganz absolut genommen werden, denn Kinder im Grundschulalter - und damit die Mehrzahl unserer Befragten - haben oft noch Probleme mit Zeiteinheiten bzw. dem Denken in Zeiten, z.B. sich an etwas in Zusammenhang mit Zeitangaben zu Erinnern. Es kann also durchaus sein, dass etwa ein Siebenjähriger behauptet, "immer" auf den BSP zu kommen, während die Eltern vielleicht sagen würden "3 - 4-mal in der Woche". Unabhängig davon scheinen wir in überwiegender Zahl treue Kunden des BSP interviewt zu haben: Denn sie kommen nicht nur sehr oft auf den BSP, sondern auch schon "seit Eröffnung".
Der BSP existiert seit weniger als zwei Jahren. Für manche Kinder scheint seine Existenz so selbstverständlich, sie gar nicht mehr wissen, seit wann sie den BSP besuchen. Fast die Hälfte der Interviewten sagte, dass sie seit der Eröffnung dabei seien. Etwa ein Fünftel der Kinder beantwortete diese Frage nicht. Dies sind vor allem Jüngere und wahrscheinlich meist aus den oben bereits genannten Gründen.
Abbildung 4: Seit wann kommen die Befragten auf den BSP?
(N=48, Angaben in Prozent).
Die Angaben der Kinder zu Häufigkeit und Dauer ihres Kontaktes zum BSP sind ein weiterer Hinweis, dass ein Aus für den BSP eine deutliche Lücke für die Freizeitgestaltung vieler Kinder und Jugendlicher im Neubaugebiet bedeuten würde. Ein weiterer Hinweis sind die Besucherzahlen, die in einer von der Evaluation unabhängigen Statistik erfasst wurden und fortlaufend werden.
4. Freizeit ohne BSP - wie sieht die aus?
Abbildung 5: Mit wem verbringen die Kinder / Jugendlichen ihre Freizeit außerhalb des BSP?
(N=48, Angaben in Prozent).
Bislang verweisen alle Ergebnisse darauf hin, dass der BSP ein Stammpublikum hat, für deren Freizeitgestaltung er sehr wichtig ist und das genau weiß, was es am BSP hat. Der BSP hat aber nicht immer offen.
Zumindest an einigen Tagen in der Woche sind auch die treuen und begeisterten Besucher/innen darauf angewiesen, ihre Zeit anders zu verbringen. Was machen die Kinder und Jugendlichen dann, mit wem und wo verbringen sie die freien Zeiten, in denen sie nicht auf dem BSP sind? Es kam uns dabei nicht darauf an, das gesamte Freizeitverhalten außerhalb des BSP detailliert zu erfassen, sondern vielmehr darum, einen Eindruck davon zu gewinnen, welche überwiegenden Tendenzen bei diesen Fragen bestehen. Deshalb lauteten auch die Fragen entsprechend: Mit wem verbringst du meistens .... bzw. wo bist du meistens.
Abbildung 5 zeigt, dass fast die Hälfte der Interviewten sich auch außerhalb des BSP meist mit Freunden oder Freundinnen trifft. Überwiegend mit anderen Familienangehörigen verbringen nur wenige ihre Zeit. Einige meinten, sie seien mal alleine, mal mit Freunden zusammen.
Ein weiteres Drittel jedoch verbringt seine oder ihre Freizeit außerhalb des BSP überwiegend alleine. Das ist eine hohe Zahl von Kindern und Jugendlichen, die ihre Freizeit oft alleine verbringt. Unabhängig davon, ob die Kinder tatsächlich ganz alleine sind in dieser Zeit oder ob vielleicht Eltern oder Geschwister in der Nähe sind: Ein Drittel empfindet es so oder ist tatsächlich alleine, wenn der BSP geschlossen ist.
Im Zusammenhang mit diesem Ergebnis bekommt das Votum vieler Kinder für den BSP als "sozialer Ort" zusätzliches Gewicht. Betrachtet man im Gegensatz dazu, wie viele Kinder auf dem BSP am liebsten alleine spielen, dann muss davon ausgegangen werden, dass viele der Kinder nicht gerne oder freiwillig ihre Freizeit alleine verbringen. Denn lediglich 8% geben an, dort meist oder am liebsten alleine zu spielen.
Abbildung 6: Mit wem spielen die Kinder / Jugendlichen auf dem BSP zusammen?
(N=48, Prozent).
Im Neubaugebiet existieren verschiedene kleine offene Spielplätze, ein Sportplatz für Ballspiele und andere Möglichkeiten, sich zu treffen oder sich zu beschäftigten. Etwa die Hälfte der interviewten Kinder und Jugendlichen verbringt die Freizeit außerhalb des BSP meist auf der Straße oder offenen Spielplätzen oder "hängt" im Reitz herum. Diese Kinder sind unterwegs. Im Gegensatz zu ihnen sagte jedoch ein Viertel, dass es die Freizeit überwiegend zu Hause verbringe. Die Interviews fanden im Sommer statt, bei meist sonnigen Wetter und angenehmen Temperaturen. Da ist es doch überraschend, dass ein Viertel der Kinder viel freie Zeit zu Hause in einer kleinen Wohnung verbringt.
Nur sehr wenige Kinder besuchen andere Clubs oder Vereine im Wohnumfeld oder in Neurruppin; evtl. auch, weil Mitgliedschaften Geld kosten. Einige wenige besuchen Verwandte und verbringen ihre Zeit mit Onkel oder Cousine.
Abbildung 7: Wo verbringen die Kinder / Jugendlichen ihre Freizeit außerhalb des BSP?
(N=48, Prozentangaben).
Obwohl auch die Mehrzahl der Mädchen ihre Freizeit meist auf der Straße oder auf offenen Plätzen verbringt, fällt doch auf, dass mehr Mädchen als Jungen ihre Freizeit überwiegend zu Hause verbringen. Unabhängig jedoch, wo die Kinder und Jugendlichen ihre Zeit verbringen: Gefragt, was sie überwiegend tun, antwortet die Mehrheit mit einer elektronischen Beschäftigung: Fernsehen, Computerspiele oder Videos gucken gehört bei 35% zur überwiegenden Freizeitbeschäftigung außerhalb des BSP. Die Jungs nennen diese Art der Beschäftigung etwas häufiger als die Mädchen, wobei die elektronische Dominanz mit dem Alter zunimmt.
Abbildung 8: Was tun die Befragten außerhalb des BSP?
(N=48, Prozent).
Ein Fünftel der Kinder und Jugendlichen sucht in der Freizeit außerhalb des BSP sportliche Betätigung und Bewegung. Sie spielen Fußball oder Basketball, gehen zu einem Fahrradparcour oder spielen Fangen/ Verstecken mit anderen Kindern. Ein Fünftel sind recht wenige, wenn man bedenkt wie wichtig Bewegung für die körperliche und geistige Entwicklung von Kindern ist. Der BSP hat hier eine sehr wichtige Funktion für die Kinder im Neubaugebiet: Er lädt ein zu Bewegungsspielen und ermöglicht körperliche Betätigung, die viele Kinder und Jugendliche sonst nicht haben würden.
Nichts Bestimmtes tun, rumhängen, quatschen, ... so klingen vor allem die Aussagen der etwas Älteren. Einige Kinder sagten, sie würden so viel Verschiedenes unternehmen und könnten es deshalb nicht sagen. Weniger als 10% der Kinder gaben an, sich meist alleine mit kreativen Dingen zu beschäftigen oder zu lesen.
Aus Sicht öffentlicher Förderung sollte sich die Frage stellen, wie die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen im Neubaugebiet die Freizeit verbringt. Folgt man den genannten Mehrheiten unserer Befragung, so muss davon ausgegangen werden, dass der größere Teil der Kinder und Jugendlichen auf Straßen oder Plätzen wie dem Reitz unterwegs ist oder zu Hause vor dem Computer oder Fernseher sitzt. Und dies oft alleine. Kreative Beschäftigungen und Bewegung haben bei der Freizeitgestaltung der Kinder und Jugendlichen im Neubaugebiet wahrscheinlich einen geringen Stellenwert.
Folgt man den Ergebnissen dazu, was den BSP für die Interviewten attraktiv macht, so ergibt sich eine ganz andere und nach allem, was wir wissen, mehr entwicklungsfördernde Freizeitgestaltung: Ein breites anregendes Beschäftigungsspektrum mit viel Bewegung, kreatives Bauen und praktisches Lernen sowie soziale Kontakte zu Gleichaltrigen und Erwachsenen. Diese inhaltliche Bejahung des BSP kommt nicht nur von den Kindern, sondern auch von den Eltern und den Expert/innen in den folgenden Kapiteln.
5. Der BSP - ein Platz für die ganze Familie?
Durch die Elternbefragung konnte gezeigt werden, dass die Eltern den BSP sehr schätzen. Teilweise begründeten die Eltern dies mit der familiären und unkomplizierten Atmosphäre auf dem Platz: Man könne einfach vorbeikommen und fühle sich willkommen. Von den Kindern wollten wir wissen, wie der Platz bei ihren Familien ankommt, ob aus ihrer Familie sonst noch jemand den Platz besucht und wie sie das finden. Kurz um: Wie viel Familie findet aus Sicht der Kinder auf dem BSP statt?
Drei Fünftel der Interviewten geben an, dass auch andere aus ihrer Familie den BSP besuchen würden. Bei etwas weniger als einem Fünftel kommen nur Geschwister, bei einigen kommen nur Eltern, bei anderen aber kommen sogar Verwandte ab und an auf den Platz. Allerdings sagen auch zwei Fünftel, dass niemand aus ihrer Familie außer ihnen selbst auf den Platz kommen würde. Kommen Eltern und / oder Geschwister, so finden das die interviewten Kinder "gut". Nur in Ausnahmen ist es lästig, auf ein jüngeres Geschwisterkind aufpassen zu müssen oder von einem Älteren bevormundet zu werden.
Für die konzeptionelle Ausrichtung des BSP ist es sehr befriedigend zu erfahren, dass die Kinder die auf die ganze Familie orientierte Arbeit des BSP akzeptieren und sogar "gut" finden. Sechs von 10 Kindern ziehen also weitere Familienmitglieder auf den BSP. Haben diese auch eine Meinung zum BSP?
Laut Aussagen der Kinder und Jugendlichen finden die eigenen Eltern den BSP "gut". Diese Angaben der Kinder decken sich sehr gut mit den wertschätzenden Antworten der Eltern. Lediglich ein Kind sagte, dass die Eltern nicht wüssten, dass er sich hier aufhalte. Dieses Kind gab gleichzeitig an, 3-4 mal pro Woche den BSP zu besuchen.
Weitere acht Kinder meinten, ihre Eltern sagten gar nichts zum BSP; sie wüssten also nicht, was die Eltern über diesen Platz denken oder wie sie ihn finden. Die Mehrzahl dieser Kinder behauptet, den Platz "immer" aufzusuchen, wenn er offen ist; die anderen mehrmals die Woche. Hierbei handelt es sich nicht um Jugendliche, sondern in sechs Fällen um Kinder im Grundschulalter.
6. Einzugsgebiet des BSP
Leider war es vor allem den jüngeren Kindern nicht möglich, ihren Weg von zu Hause zum BSP in Minuten anzugeben. Im Interview nannten die Kinder aber alle ihre Straße. Neun von 10 Kindern wohnen eindeutig in der näheren Umgebung mit weniger als 5 Minuten Fußweg zum BSP. Zwei Kinder gaben einen Weg von weniger als 30 Minuten an und drei Kinder von mehr als 30 Minuten. Es sind auch diese drei Kinder, die von ihren Eltern mit dem Auto zum BSP gefahren werden.
Alle anderen Kinder kommen zu Fuß, mit Fahrrad oder auf Inlinern und dies meist alleine. Gut zwei Drittel der Kinder legen den Weg zum BSP selbständig zurück. Die Nähe zu den Wohnblöcken ist also ein großer Vorteil für die Kinder und Eltern. Etwa ein Achtel kommt regelmäßig mit Geschwistern auf den Platz oder mit Freunden. Und etwa 10% werden von den Eltern oder Geschwistern auf den Platz begleitet und wieder abgeholt. Etwa 10% der Kinder machten zu dieser Frage keine Angabe.
Eine genauere Beschreibung des Einzugseingebiets mit einer Kodierung der Wohnblocks nach Eigentümergesellschaften konnte bislang noch nicht realisiert werden.
7. Angenommen, ab morgen bist du Chef/in hier ...
Mit diesem Satz wurde die Frage danach eingeleitet, welche Wünsche die Kinder an den Platz oder das Geschehen dort haben. Gibt es etwas, dass sie gerne anders hätten? Angesichts der hohen Bedeutung des Platzes für die Kinder und einer mehrheitlichen Zustimmung zu den vielfältigen Möglichkeiten neben dem Bauen, ist es verblüffend wie viele Kinder dennoch Wünsche äußerten.
Insgesamt 83 % der interviewten Kinder nahmen die Einladung an und äußerten Ideen und Wünsche, die sie als Chef oder Chefin verwirklichen würden. Inhaltlich ergibt sich hier eine sehr breite Palette. Es entsteht der Eindruck, dass eigene im Interview vorher genannte Vorlieben durch die Chefsachen nochmals unterstrichen werden: Wer den Trecker liebt, will halt auch einen Anhänger hinten dran haben. Das ist eine vereinfachte Darstellung; beschreibt aber manche "Chefsache" sehr treffend.
Ein anderer Eindruck ist, dass der BSP am besten alle Bedürfnisse befriedigen sollte. Von der Eisdiele am Platz mit Musikanlage und Obstsalat im noch zu bauenden Pool genießen - dolce vita im Neubaugebiet! Die Abbildung 9 gibt einen Überblick über die von den Kindern und Jugendlichen genannten "Chefsachen".
Fast alle Kinder äußersten sich bei Frage, weshalb sie auf den BSP kommen, lobend über die vielfältigen Spielmöglichkeiten. Dennoch fielen immerhin 35% der Befragten noch ein Gerät ein, das toll wäre oder ein Sprungseil mehr, damit nie was fehlt. Mehrmals genannt wurde eine Kletterwand; ansonsten streuen die Wünsche der Kinder und Jugendlichen über alle Spielgeräte, die Spaß und Bewegung versprechen: Vom Trampolin bis zur Frisbeescheibe - eine oder einer will es bestimmt.
Bereits vorher zeigte sich, dass die vielen verschiedenen Geräte vor allem von den Jüngeren als Grund genannt werden, den BSP zu besuchen. Diese Gruppe bleibt ihrer Vorliebe treu. Es sind ebenfalls die meist Kinder im Grundschulalter, die als Chefs noch mehr Geräte anschaffen würden (signifikant auf 5%-Niveau).
Abbildung 9: "Chefsachen"
(N=48, Prozentangaben)
Wer sich mehr oder andere Geräte wünscht, möchte oft auch für mehr Ordnung auf dem Platz sorgen: Die Blumen regelmäßig gießen, den Zaun streichen, eine neue Toilette aufstellen, den Bauwagen schöner gestalten und dem Drachen Flügel geben, den Teich verschönern mit Teichfolie und die Steine aus dem Wasser holen und dafür sorgen, dass keine Nägel herumliegen. Alle diese Wünsche wurden unter dem Begriff "Platzordnung" zusammengefasst.
Bereits weiter oben wurde deutlich, dass die Kinder die Betreuung durch Erwachsene schätzen, teilweise, weil sie sich Schutz vor Pöbeleien oder anderer Gewalt davon versprechen. Deshalb war es zunächst überraschend, dass ein Viertel der Kinder bei den Chefsachen für eine bessere Regeldurchsetzung plädierte. Vom "Patzverboot für doofe Kinder" bis zur Mediation gab es eine Reihe von Aussagen, die das Bedürfnis nach persönlichen Schutz vor "Stänkerern" formulieren oder Konsequenzen fordern für diejenigen, die etwas zerstören, z.B. es wieder aufbauen müssen. Neben diesen Forderungen, die vor allem der individuellen Sicherheit dienen, gab es auch die Sorge um die geltenden Regeln insgesamt. Dies zeigen gemachte Vorschläge wie Regeln gegen Schimpfwörter einführen, eine Schimpfwortkasse, ein großes Plakat oder kleine Zettel für alle mit den geltenden Regeln - alles Methoden, um Regeln zu verdeutlichen oder die Einhaltung zu unterstützen. Hier gibt es offensichtlich noch etwas zu tun.
Unter dem Stichwort Organisation wurden Chefsachen gesammelt, die sich mit längeren Öffnungszeiten und der Platzvergrößerung beschäftigten. Einige Male wurde auch gewünscht, der Berg in der Mitte solle an einen anderen Ort verschoben werden und einmal wurde eine Hausaufgabenbetreuung angeregt. Einige Male wurde angeregt, dass der BSP mehr Angebote für Jugendliche machen sollte.
In nur wenigen Äußerungen wurden neue Arbeitsgruppen angeregt: Zaubern lernen, Kochkurs gesunde Ernährung, Bio-Gemüseanbau. Vielfältiger sind die Vorschläge für gemeinsame Aktionen. Sie reichen vom Zelten auf dem Platz an Wochenenden bis zu Wettkämpfen über Schnitzeljagden und Schatzsuche. Mehr Parties gehören auch dazu.
Mehr Sport ist ebenfalls für einige eine Chefsache. Platz für Fußballspiele, für Basketball, für Handball oder eine Tischtennisplatte würden sie sich wünschen. Diejenigen, die sich "mehr Sport" wünschen, wollen ebenfalls oft, dass die sozialen Regeln besser eingehalten werden.
Eine kleine Fraktion möchte gerne einen richtigen Pool bauen. Übrigens wollen den Pool vor allem diejenigen, die sich mehr Gemeinschaftsaktionen wünschen; dies ist die überwiegend Jugendliche dolce vita - Gruppe.
Geht es um Bauprojekte, so würde jemand eine Achterbahn bauen, andere mehr Unterstellplatz für Regenzeiten und wieder andere größere, mehrstöckige Häuser oder ein festes Haus für die jüngeren zum Spielen. Die Gruppe der Bauprojekte ist aus fast den gleichen Kindern/ Jugendlichen zusammengesetzt wie diejenigen, die "Spaß haben" als ihren persönlichen Grund für den BSP angaben.
Abschließend sei noch angemerkt, dass die interviewten Kinder und Jugendlichen, die keine Chefsachen formulierten, den BSP viel seltener als sozialen Ort wahrnehmen und schätzen wie diejenigen, die die Einladung zum Chef, zum Chefin annahmen. Dieser Unterschied ist signifikant (1% - Niveau).
8. Was wissen wir noch über die befragten Kinder und Jugendlichen?
Für eine genauere Beschreibung der interviewten Kinder und Jugendlichen erfassten wir einige zusätzliche Merkmale, die im Folgenden ergänzend dargestellt werden. Neben der Stichprobenbeschreibung dienen diese Merkmale, um mit statistischen Verfahren zu prüfen, ob sich Subgruppen mit bestimmten Eigenschaften bestimmen lassen, z.B. bei den Geschlechts- oder Altersgruppen.
Abbildung 10: Anteil der Jungen und Mädchen an der Befragung
(N=48, Prozentangaben)
Von den 48 Interviewten sind 44 % Jungs und 46 % Mädchen. Bei 10% der Interviewten geben die Datenblätter leider keine Auskunft über das Geschlecht.
Abbildung 11: Altersverteilung der Befragten in Prozent
(N=48)
Das Durchschnittsalter der befragten Kinder und Jugendlichen liegt bei knapp 10 Jahren. Das Mindestalter wurde aus methodischen Gründen auf sechs Jahre festgelegt; dieses Mindestalter spiegelt jedoch nicht die tatsächliche Besucherstruktur wider, zu der auch jüngere Kinder gehören.
Abbildung 12: Welche Schulen besuchen die befragten Kinder und Jugendlichen?
(N=48, Prozentangaben)
Die ältesten Kinder waren zum Zeitpunkt des Interviews 17 Jahre. Drei Viertel der Kinder liegen jedoch im Altersrange von 6 bis 11 Jahren, während dem etwa gleich großen Range bis 17 Jahre nur ein Viertel der Interviewten angehört. Zwar zeigten die Interviews, dass auch jugendliche Besucher/innen den BSP schätzen. Der Altersschwerpunkt der Interviewten liegt jedoch im Grundschulalter.
Wer die sozialdemografische Zusammensetzung der Neuruppiner Bevölkerung kennt, erwartet kein multinationales Publikum auf dem BSP im Neubaugebiet. Dennoch war interessant zu erfahren, ob der BSP auch von den relativ wenigen Kindern und deren Familien mit Migrationshintergrund genutzt wird. Um dieses Thema auch mit den jüngeren Kindern zu erfassen, wählten wir den Umweg über die Sprache, die innerhalb der Familie immer oder meistens benutzt wird.
Abbildung 13: Multinationales Publikum auf dem BSP?
(N=48, Prozentangaben)
Dabei zeigte sich, dass bei der überwiegenden Mehrheit der befragten Kinder und Jugendlichen zu Hause ausschließlich deutsch gesprochen wird. Dies trifft auf etwa 70 % der Interviewten zu. Vereinzelt berichteten Kinder, dass ein Elternteil eine andere Nationalität habe oder eine andere Sprache spreche. Teilweise konnten Kinder nur zu einem Elternteil etwas sagen. Denn: Aus verschiedenen Gründen und in verschiedenen Varianten gab es keinen Vater.
Kein Deutsch gesprochen wird am Küchentisch und im sonstigen Familienleben jedoch bei nur einem von 10 Kindern. Die Familiensprache ist nach Informationen der Kinder entweder Russisch oder albanisch. Insgesamt ergibt dies etwa ein Fünftel der interviewten Kinder, bei denen entweder beide Eltern oder ein Elternteil eine andere als die deutsche Sprache im Alltag nutzen.
Erfreulicherweise konnten die Interviewerinnen bei keinem dieser Kinder und Jugendlichen ein Problem mit der deutschen Sprache feststellen: Ihre Ausdrucksmöglichkeiten standen denen ihrer deutschen Altersgruppe nicht nach.
III) Ergebnisse der Elternbefragung
Die für die Evaluation befragten Eltern erreichten wir auf zwei Wegen: Erstens wurden Fragebogen direkt am BSP an vorbeikommende Eltern ausgegeben bzw. die Kinder nahmen sie mit nach Hause. Zweitens verteilten den BSP nutzende Kitas oder Hortgruppen Fragebogen an ihre Eltern, die im Folgenden als "Einrichtungseltern" bezeichnet werden.
Für das Verständnis der Auswertung ist es wichtig, dass die Daten nicht erlauben, befragte Eltern und befragte Kinder einer bestimmten Familie zuzuordnen. Anliegen der Evaluation ist es, sowohl von den Kindern als auch den Erwachsenen eine Einschätzung zum BSP zu erhalten. Wir beanspruchen jedoch nicht, das Nutzungsverhalten von Familien zu untersuchen.
1. Wie wichtig ist der BSP aus Sicht der Eltern?
Wie wichtig ist der BSP den Eltern der Kinder, die dort spielen, sich dort aufhalten und Freunde treffen? Welchen Wert legen die Eltern darauf, dass der BSP im Neubaugebiet erhalten bleibt? Wie wichtig ist der Platz für die Kinder aus Sicht der Eltern?
Die Bedeutung, die die befragten Eltern dem BSP im Neubaugebiet zuschreiben, wurde mit 2 Fragen auf einer jeweils 10-stufigen Skala erhoben, wobei 1 für eine extrem geringe Bedeutung/ Wichtigkeit steht und 10 für eine sehr hohe Bedeutung des BSP. Konkret lauteten die Fragen:
- Wie wichtig ist der BSP für Ihr Kind/ Ihre Kinder? (blaue Balken in der Abbildung)
- Wie wichtig ist es Ihnen, dass der BSP im Neubaugebiet erhalten bleibt? (rote Balken in der Abbildung)
Abbildung 14: Wie wichtig ist der BSP aus Sicht der befragten Eltern
(N=52, Prozentangaben)
Insgesamt fällt die Einschätzung sehr positiv aus. Die befragten Eltern legen also laut diesen Ergebnissen sehr viel Wert darauf, dass der BSP im Neubaugebiet erhalten bleibt und die überwiegende Mehrheit meint auch, dass der Platz für die Freizeitgestaltung ihres Kindes bzw. ihrer Kinder sehr wichtig ist.
Wie die Abbildung 14 aufzeigt, gibt niemand eine Einschätzung kleiner als 5 von 10 möglichen Punkten ab; eine mittlere Bedeutung des Platzes für die Freizeitgestaltung der eigenen Kinder ist also das Wenigste. Die durchschnittliche Einschätzung der Eltern zu dieser Frage liegt bei 8,6.
Insgesamt wird der Freizeitwert von den Eltern also sehr hoch eingeschätzt. Etwas höher aber fällt der Wert aus, wenn es um die Erhaltung des BSP im Neubaugebiet geht. Hier liegt die durchschnittliche Einschätzung bei 9,2. Bemerkenswert ist, dass die befragten Eltern dem BSP eine über das Freizeitverhalten des eigenen Kindes hinausgehende Bedeutung zuschreiben.
Eine statistische Prüfung ergab, dass diese extrem positiven Einschätzungen der befragten Eltern unabhängig davon sind, ob das Votum von Müttern oder Vätern abgegeben wurde, von Berufstätigen, Arbeitsuchenden oder Elternteilen ohne Berufstätigkeit, von Alleinerziehenden oder Elternpaaren, befragten mit einem oder mehreren Kindern, von Eltern, die den BSP aktiv unterstützen wollen oder dies nicht können/wollen.
Lediglich eine Teilgruppe schätzt die Wichtigkeit für das eigene Kind etwas niedriger ein als die anderen Eltern: Befragte, die keine eigenen Wünsche hinsichtlich Kontakt zu oder Aktionen mit dem BSP äußerten, meinen, der BSP sei ihren Kindern nicht sooo wichtig (signifikant auf 5%-Niveau).
Diese Elterngruppe hält aber den Erhalt des BSP für genauso wichtig wie alle anderen Befragten auch. Wir haben es hier also mit einer Teilgruppe zu tun, die keine expliziten Kontaktwünsche äußert und den Freizeitwert für das Kind niedriger einschätzt. Wir vermuten, dass es sich dabei - zumindest - teilweise um Eltern handelt, die über Einrichtungen erreicht wurden und nicht direkt im Wohnfeld wohnen. Ihr Votum für den Erhalt kann entweder so verstanden werden, dass der BSP für Einrichtungen eine wichtige und sinnvolle Ergänzung darstellt oder es ist eine sozial-politisch motivierte Aussage in Zeiten knapper Gelder für soziale Projekte. Leider kann nicht geprüft werden, ob dies tatsächlich mehr "Einrichtungseltern" als Eltern aus dem Neubaugebiet sind.
Ansonsten sind alle Befragten nahezu einstimmig und deutlich ausgeprägt der Ansicht, der Platz sei für die eigenen Kinder und ihre Spiel- und Freizeitmöglichkeiten sehr wichtig und sollte dem Neubaugebiet, den Kindern und den Eltern erhalten bleiben. Die Befragten Eltern sprechen sich sehr eindeutig für den Erhalt aus!
2. Was genau finden denn die befragten Eltern so gut am BSP?
Eine zentrale Frage an alle Beteiligten dieser Evaluation ist die, was am BSP jeweils geschätzt wird. Die Antworten aus 52 Elternfragebogen zeigt die nächste Abbildung. Zu der Frage, was denn die Eltern am BSP schätzen, gab es eine Liste mit vorgegebenen Antwortmöglichkeiten, bei der mehrere Antworten angekreuzt werden konnten. Zusätzlich waren die Eltern eingeladen, eigene Gründe und Argumente zu formulieren.
2.1 Die Hitliste der positiven Wertschätzung
Abbildung 15: Hitliste - was 70% und mehr der befragen Eltern gut finden am BSP
(N=52, Prozentangaben)
Für einen besseren Überblick über die vielen verschiedenen Aussagen fasst die folgende Abbildung zunächst die Hitliste der elterlichen Argumente zusammen. Ausgewählt wurden dafür alle Aussagen, die sieben oder mehr von 10 Befragten als positiv am BSP bejahten.
Die Mehrzahl der Eltern schätzt also eine Mischung aus guten, weil anregenden, lehrreichen und ganzjährigen Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten mit professioneller, kostenfreier Betreuung. Das ist eine Kurzfassung dessen, weshalb die befragten Eltern dem BSP so positive Einschätzungen entgegenbringen.
Ausgenommen der Kostenfreiheit können die Aussagen mit Spitzenwerten bei den befragten Kindern und der Elternstichprobe als inhaltlich deckungsgleich interpretiert werden. Zwar liegt bei den Kindern die Betreuung durch Erwachsene an dritter Stelle, während die Spielmöglichkeiten ganz vorne rangieren. Das Bedürfnis nach Schutz und Sicherheit ist jedoch bei beiden Gruppen vorhanden. Während die Kinder sich vor Gewalt und Pöbeleien sicher fühlen, freuen sich die Eltern, dass sie ihre Kinder am BSP "gut aufgehoben" wissen. Die Verbindung vielfältiger Spiel- und Beschäftigungsmöglichkeiten mit professioneller Betreuung ist DAS Merkmal des BSP aus Sicht der Befragten. Bei diesem Punkt kann sogar gesagt werden: Das Merkmal aus Sicht von Familien.
2.2. Alle Einschätzungen der befragten Eltern im Überblick
Das Ausmaß von Zustimmung oder Ablehnung zu allen Aussagen des Fragebogens gibt die Abbildung 16 wider. Dabei wird deutlich, dass neben den in der Hitliste bereits genannten Aspekten die befragten Eltern auch für sich selbst den sozialen Kontakt zum und auf dem BSP schätzen.
Dem BSP wird eine unkomplizierte, familienfreundliche Atmosphäre bescheinigt. Eltern könnten unverbindlich vorbeikommen und fühlten sich willkommen. Für etwa ein Drittel der befragten Eltern ist es wichtig, sich auf dem Platz mit anderen Eltern zu treffen, sich auszutauschen oder einfach miteinander zu reden.
Nicht nur in diesen Antworten zeigt sich, dass eine Einrichtung wie der BSP eine informelle Möglichkeit bietet mit Familien auf eine extrem niedrigschwellige Art in Kontakt zu treten. Einige Befragte schätzen den BSP jedoch über den sozialen Aspekt hinaus: Sie erleben das Team des BSP unterstützend bei der familiären Erziehung bzw. sie sehen in den Teammitgliedern Ansprechpartner für alle möglichen Themen und Probleme. Die letzten beiden Punkte treffen auf etwa ein Drittel der befragten Eltern zu.
Nur etwa ein Drittel nutzt die betreuten Zeiten, um einer Arbeit oder Erledigungen nach zu gehen. Dieses Ergebnis ist sicher teils den wirtschaftlichen Verhältnissen im Wohnumfeld geschuldet; mehr als zwei Drittel der befragten Eltern aus dem direkten Wohnumfeld hatten zum Zeitpunkt der Befragung keinen Job bzw. keine Arbeit.
Die Kostenfreiheit des Platzes wird von vielen Befragten ebenfalls hoch eingeschätzt. Der BSP ist eine qualitativ hochwertige, abwechslungsreiche Möglichkeit für Kinder. Selbst Kinder nannten in den Interviews die Kostenfreiheit teils als Grund dafür, dass sie gerne auf den BSP kommen.
Kostenfreiheit bedeutet jedoch nicht, dass die Eltern ein Angebot einfach hinnehmen (im Sinne von "Sozialschmarotzer"). Wie später zu sehen ist, erklären sich viele befragte Eltern - etwa die Hälfte - bereit, sich für den BSP zu engagieren. Wie im Umfeld zu erwarten: Die wenigsten davon mit Geld.
Abbildung 16: Was schätzen die Eltern am BSP?
(N=52, Angaben in Prozent)
Die Möglichkeit, zusätzlich zu den vorgegebenen Aussagen eigene Meinungen zu formulieren wurde von den Befragten kaum genutzt. Auffallend ist, dass nahezu alle Eltern/ Elternteile den BSP kennen. Lediglich auf drei Fragebogen wurde vermerkt, dass der BSP nicht persönlich, sondern lediglich aus Schilderungen der Kinder/ des Kindes bekannt ist.
Eine Mutter merkte kritisch an, dass die Hosen ihres Kindes sehr oft stark verschmutzt seien. Eine andere zeigte sich begeistert darüber, dass der BSP Stadtkindern kreative Möglichkeiten biete wie sie früher Landkinder erleben durften.
2.3 Wer schätzt was ganz besonders am BSP?
Insgesamt erhielten wir 52 ausgefüllte Fragebogen. Es ist kaum zu erwarten, dass es sich bei dieser Elterngruppe um eine ganz einheitliche Gruppe mit gleichen Meinungen handelt. Bereits bei der Frage nach der Wichtigkeit des BSP zeigte sich ein Unterschied innerhalb der Elterngruppe, nämlich weniger vermutete Bedeutung für das eigene Kind bei denen, die keine eigenen Wünsche an den BSP nannten. Der folgende Abschnitt verfolgt das Ziel, die Elterngruppe und ihre Einschätzungen konkreter zu beleuchten. Dies ist möglicherweise sinnvoll im Zusammenhang mit konkreten Planungen: Wie kann der BSP Familien/ Eltern unterstützen?
Vollkommen ohne Einfluss auf die positiven Einschätzungen der Eltern ist es laut Ergebnissen, ob es sich um eine Ein-Eltern-Familie handelt oder um ein Elternpaar. Alleinerziehende und Elternpaare unterscheiden sich in ihren Einschätzungen nicht.
Ob ein Vater oder eine Mutter den Bogen ausfüllte, hat ebenfalls sehr wenig Auswirkung auf die gegebenen Antworten. Lediglich eine statistische Tendenz lässt sich feststellen zwischen Vätern und Müttern: Mütter finden häufiger, ihre Kinder seien auf dem Platz wegen der Betreuung gut aufgehoben (signifikant 10%-Niveau). Die Mütter freuen sich also über die Betreuung etwas mehr als die befragten Väter.
Bei insgesamt drei Teilgruppen der befragten Eltern konnten jedoch deutliche Unterschiede in den Argumentationen bestimmt werden, die im Folgenden konkreter beschrieben werden.
Berufstätige schätzen es seltener als Arbeitssuchende, dass der Platz ihren Kindern sehr viele Anregungen bietet und auch, dass die Eltern dort gemeinsam etwas mit dem eigenen Kind unternehmen können (beides signifikant 5%-Niveau). Beide Argumente kennzeichnen also deutlicher arbeitssuchende als berufstätige Eltern. Eine plausible Erklärung für diesen Unterschied liegt nicht direkt auf der Hand. Eventuell ist es jedoch mit den finanziellen Möglichkeiten verknüpft, die bei den Berufstätigen in der Regel etwas besser als bei den Arbeitssuchenden sind. Eine andere mögliche Erklärung liegt in der Tatsache, dass mit der Arbeitslosigkeit auch das soziale Leben leidet. Gemeinsame Aktionen mit dem Kind im Rahmen des BSP können sowohl Bedürfnisse von Eltern als auch von Kindern befriedigen.
Abbildung 17: Argumente von Einkindeltern und Zweikindeltern im Vergleich
(Anzahl der Personen, die Argument nannten)
Noch mehr Argumente fallen bei Eltern aus den Mehrkindfamilien anders aus als bei den Einkindfamilien. Die Abbildung 17 veranschaulicht die Unterschiede zwischen Eltern mit einem und Eltern mit 2 Kindern. In die Statistik flossen diese beiden Gruppen ein, die mehr als 80% der gesamten Elterngruppe ausmachen. Nimmt man alle Mehrkindfamilien zusammen, so sind die Ergebnisse den dargestellten ähnlich. Als Kurzfassung können diese Ergebnisse so umschrieben werden: Kleinstfamilien suchen ein soziales Umfeld, das sie auf dem BSP vorfinden. Und zwar für Eltern und Kinder.
So schätzen es Eltern mit einem Kind signifikant häufiger als positiv ein, dass sich das Team um die Förderung der Kinder kümmert und, dass die Atmosphäre am BSP so familienfreundlich ist (beides signifikant auf 1%-Niveau). Zusätzlich loben Eltern mit einem Kind häufiger, dass der BSP den Kindern so viele verschiedene Anregungen bietet (signifikant auf 5%-Niveau).
Neben diesen statistisch bedeutsamen Unterschieden in der Argumentation konnten noch einige Unterschiede bestimmt werden, die weniger gravierend, aber als Tendenz deutlich vorhanden sind (alle signifikant 10%-Niveau): Eltern mit einem Kind schätzen demnach häufiger, dass sie auf dem Platz gemeinsam mit dem Kind etwas machen können, sie die Mitarbeiter/innen bzw. das Team bei Fragen oder Problemen auch mal ansprechen können und, die Kinder auf dem BSP zu sozialen und verantwortungsvollen Verhalten angeregt werden.
Familienfreundlichkeit, Unterstützung in einem breiten Sinne sowie soziales Handeln gegenüber Kindern und Eltern können als besondere Vorteile bezeichnet werden, die Eltern mit einem Kind an der Arbeit des BSP besonders schätzen. Fast die Hälfte der befragten Eltern hat nur ein Kind. Hinzu kommt, dass viele im Wohnumfeld ihr Kind alleine erziehen. Für diese Kleinstfamilien scheint eine Einrichtung wie der BSP mit der Verbindung aus professioneller Betreuung und informellem Treffpunkt für Groß und Klein besonders wichtig Ergänzung zu sein.
3. Bereitschaft der befragten Eltern, sich für den BSP zu engagieren
Die befragten Eltern finden also den BSP für ihr Kinder bzw. ihre Kinder sehr gut und sprechen sich dafür aus, dass der BSP erhalten bleiben soll. Sie schätzen die Betreuung und schätzen, dass diese kostenfrei ist. Bei den von Eltern genannten Vorteilen und dem Lob stellt sich die Frage, ob und wie sie sich für den Erhalt des BSP engagieren wollen.
Abbildung 18: Was befragte Eltern für die Erhaltung des BSP zu tun bereit sind.
(N=52, Angaben in Prozent)
Auch bei dieser Frage waren mehrere Antworten möglich. Zusätzlich zu den Antwortvorgaben gab es die Möglichkeit, eigene Ideen zu formulieren. Dies wurde auch bei dieser Frage kaum genutzt. Ein Vater bot "Mundpropaganda" an, um den BSP in der Region bekannter zu machen und ein anderer nannte ein "Nutzungsentgeld vor Ort" als Unterstützungsangebot. Alle anderen befragten Eltern gaben hielten sich an die Antwortvorgaben.
Die Antworten bestätigen jedoch, dass den Eltern der Erhalt des BSP bedeutsam ist. Insgesamt 77% der befragten Eltern erklärten sich grundsätzlich bereit, selbst etwas dafür zu tun, dass der BSP erhalten bleiben kann. Dabei verteilen sich diese Eltern über sämtliche Möglichkeiten.
Aktive Mitarbeit und Sachspenden führen die Liste des elterlichen Engagements an. Wie die Kinder möchten wohl auch die Eltern am liebsten bauen und handwerkeln, denn dafür gibt es die meiste praktische Unterstützung. Für die Planung bzw. die pädagogische Arbeit mit verschiedenen Generationen ist es interessant, dass sich einige Eltern vorstellen können, ihr eigenes Wissen in kindgerechten Workshops weiter zu geben. Ein kleiner Teil der Eltern erklärte sich sogar zu Geldspenden bereit.
Die Abbildung 18 zeigt, wie viele Eltern sich in welcher Form unterstützend beteiligen würden (grüne Balken). Folgt man den Antworten der Eltern, so hat das Team des BSP viele aktive Unterstützer/innen, die verschiedene Aufgaben zu übernehmen bereit sind. Hier gibt es Potentiale zu nutzen!
Die Mehrheit der Eltern, die keine Unterstützung anbot, unterstrich, dass sie nicht könnten. Es wurde also betont, dass es nicht am Willen, sondern an der Möglichkeit mangelt. Unterschiede zwischen den "Unterstützern" und denen, die nicht können oder wollen, sind nicht festzustellen. Mütter und Väter, Berufstätige und nicht Berufstätige, Alleinerziehende oder Elternpaare - aus allen diesen Gruppen erklären sich gleichermaßen Befragte bereit, den BSP aktiv zu unterstützen.
4. Was wünschen sich Eltern vom BSP - Team?
Im Sinne einer konsequenten Orientierung an den Potentialen erfragten wir von den Eltern - wie auch vorher bei den Kindern - keine direkte Kritik, sondern erfassten vielmehr Wünsche oder "Chefsachen". Auf diese Art erhofften wir uns mehr praktische Hinweise als auf der Basis von ausschließlich an Kritik orientierten Aussagen.
Der Fragebogen zur Evaluation war also eine gute Möglichkeit, um Eltern nach ihren Wünschen zu fragen: Was kann das Team für die Eltern tun? Haben Eltern Ideen dazu, was noch oder was anders gemacht werden kann?
Wie bei den anderen Fragen gab es auch hier mehrere Antwortmöglichkeiten sowie offene Zeilen für eigene Formulierungen. Lediglich einmal gewünscht wurde die telefonische Erreichbarkeit des BSP. Die Telefonnummer scheint also nicht allen Eltern bekannt. Eine Mutter schrieb eine ganze Liste von Ideen für Aktivitäten und Feste auf dem BSP: Vom Lagerfeuer bis zum Laternenumzug sprudelte diese Mutter vor Ideen zu gemeinsamen Aktivitäten von Eltern und Kindern auf dem BSP.
Insgesamt viermal gaben Eltern ein "Weiter so" bzw. "bleibt so" und wünschten dem Team viel "Durchhaltevermögen" und "weiterhin Erfolg". Von allen Befragten äußerten genau 40% keinerlei Wünsche. Die Antworten der anderen 60% zeigt die folgende Abbildung (grüne Balken).
Abbildung 19: Wünsche der Eltern an das BSP - Team.
(N=52, Angaben in Prozent)
Mehr als ein Drittel der Eltern möchten gerne regelmäßigere Informationen über die Arbeit und über Aktivitäten auf dem BSP erhalten. Falls den Kindern die erst kürzlich gestartete Platzzeitung Spaß macht, kann vielleicht zusätzlich eine Beilage für die Eltern gestaltet werden. Eventuell lassen sich damit auch die Eltern, die sich mehr gemeinsame Aktivitäten für Kinder und Eltern vom Team wünschen.
Ein Fünftel der Eltern möchte den BSP noch stärker als sozialen Treffpunkt erleben. Sich mit anderen Eltern locker treffen, zusammen sitzen, reden und sich wohlfühlen. Es sind also nicht immer nur Aktivitäten und Entertainment gefragt; teils ist es wohl eher der Rahmen und ein guter Grund, um soziale Kontakte zu etablieren und zu pflegen.
Die Gruppe der Eltern, die Wünsche an den BSP äußerte, scheinen dem BSP und seiner Arbeit tatsächlich etwas näher zu stehen als andere Befragte. Eltern, die sich regelmäßige Information, einen Elterntreff oder gemeinsame Aktivitäten wünschten sind meist auch die Eltern, die sich bereit erklärten, den BSP aktiv zu unterstützen bzw. selbst einen Beitrag zum Erhalt des BSP zu leisten. Dieser Unterschied zwischen den Wünschenden und Nicht - Wünschenden ist hoch signifikant (1%-Niveau). Salopp ausgedrückt handelt es sich bei den Wünschenden um die erwachsenen "Fans" des BSP, die die Arbeit des Teams sehr hoch schätzen sowie die Möglichkeiten, die der BSP Kindern und deren Familien bietet.
Konkreter ist diese unterstützungsbereite und persönlich interessierte Elterngruppe leider anhand der vorliegenden Daten nicht zu beschreiben. Denn: Die Wünschenden sind weder vor allem Väter noch vor allem Mütter, weder hauptsächlich Alleinerziehende oder Elternpaare, weder in der Mehrzahl berufstätig oder nicht berufstätig. Aufgrund der Erhebungszeitpunkte und des Rücklaufs vermuten wir aber, dass es bei den Wünschenden vor allem um Eltern aus dem direkten Wohnumfeld handelt, deren Kinder den BSP informell nutzen.
Das Phänomen freiwilliger Unterstützung von nur einem Teil derer, die von etwas profitieren, ist bekannt. Sei es ein Verein, eine Elterninitiativ-Kita usw. - es gibt immer einen Teil, der aktiv unterstützt und einen - in der Regel - größeren Teil, der zwar die Arbeit und die Möglichkeiten schätzt, aber keinen aktiven Beitrag dazu leistet. Im Falle des BSP Wilde Blüte sieht dieses Verhältnis aber aus: Hier ist es der größere Teil der befragten Eltern - 58% - der mehr Kontakte und Aktionen wünscht und gleichzeitig bereit ist, sich für den Erhalt des BSP aktiv einzusetzen.
Die Tatsache, dass neben den extrem positiven Einschätzungen zu Erhalt und Wichtigkeit des BSP für das eigene Kind bzw. die eigenen Kindern sich ein so deutlicher Unterstützerkreis abzeichnet, ist ein sehr positives Ergebnis. Wie dieser Unterstützerkreis künftig zum Wohle und Vorteil aller Beteiligten in die tägliche Arbeit eingebunden werden kann, ist eine Frage der Konzeption und des Verhandelns mit diesen Eltern. Fehlen würde beim Auslaufen einer Finanzierung der BSP aber nicht nur diesen Eltern. Denn:
Der Erhalt des BSP wird von dieser Unterstützergruppe weder als wichtiger noch als unwichtiger eingeschätzt als von anderen befragten Eltern, sondern genau gleich. Das Votum für den Erhalt des BSP wird also von den "Fans" nicht verzerrt.
5. Was wissen wir über die befragten Eltern?
5.1 Was sagt der Rücklauf?
Für die Befragung der Eltern zur Evaluation des BSP wurden Anfang Juni 179 Fragebogen ausgeteilt. Die Verteilung erfolgte zum Teil direkt am BSP - entweder erhielten Eltern den Fragebogen oder er wurde Kindern mit nach Hause gegeben. Zusätzlich verteilten Kindergärten, die den BSP mit ihren Gruppen nutzen, ebenfalls Bogen an ihre Eltern. Die Eltern beantworteten die Fragebogen anonym, so dass die Auswertung keinen Aufschluss darüber gibt, ob deren Kinder formell - also mit einer Einrichtung - oder informell den BSP besuchen. Bei einer Weiterführung der Evaluation sollte dieser Aspekt im Fragebogen berücksichtigt werden.
Ausgefüllt zurückgegeben wurden insgesamt 54 Elternfragebogen. Davon konnten zwei nicht ausgewertet werden, weil die meisten Fragen unbeantwortet waren. In die Auswertung konnten also insgesamt 52 Elternfragebogen aufgenommen werden. Das entspricht 30% der ausgegebenen Fragebogen.
Sieben von 10 Bogen wurden also von Eltern nicht ausgefüllt. Was sagt das über das Interesse der Eltern am Erhalt BSP aus? Interessant zu beantworten wäre zunächst, wie viele Fragebogen über Einrichtungen und wie viele über den BSP direkt im Wohnumfeld verteilt wurden. Denn möglicherweise kennen manche Eltern von Kita-Kindern oder Ganztagsschulen den BSP gar nicht, auch wenn ihr Kind diesen mit der Einrichtung besucht. Die zeitliche Staffelung des Rücklaufs legt jedenfalls nahe, dass weniger "Einrichtungseltern" antworteten, während im direkten Wohnumfeld mehr Eltern die Einladung zum Mitmachen bei der Evaluation annahmen.
Viele Menschen hegen auch eine Abneigung dagegen, bei Umfragen mitzumachen. Aus der Sozialwissenschaft ist bekannt, dass Menschen mit vergleichsweise niedrigen sozialen Status sich seltener bei Umfragen oder an Studien beteiligen. Selbst bei anonymen Fragen wird ungern Auskunft gegeben. Teils, weil man sich nichts verspricht davon, teils weil man misstrauisch ist und der Zusicherung von Anonymität nicht vertraut.
Selbstverständlich können auch Zeitgründe oder viele andere Anlässe dazu führen, so einen Fragebogen zu übersehen, zu vergessen oder schlicht zu ignorieren. Nicht zuletzt muss auch davon ausgegangen werden, dass Gleichgültigkeit eine Rolle spielen kann. Zu hoffen bleibt, dass im Falle von Gleichgültigkeit diese sich eher auf die Umgebung, auf politische und soziale Vorgänge o.ä. als auf die eigenen Kinder bezieht.
5.2 Wer hat geantwortet?
Zunächst soll die Überschrift wörtlich genommen werden: In der überwiegenden Mehrzahl füllten Mütter den Fragebogen aus. Väter erledigten dies bei sieben Fragebogen und ebenfalls sieben Fragebogen wurden von einem Elternpaar gemeinsam ausgefüllt.
Eltern sollten bei der Befragung nicht durch demografische oder statistische Angaben davon abgeschreckt werden bei der Evaluation mitzumachen. Sicher wäre es für manche offizielle Argumentation hilfreich zu wissen, dass etwa Eltern mit geringem Einkommen durch die Arbeit des BSP unterstützt werden. Es erschien uns jedoch wertvoller, überhaupt Aussagen über den BSP zu erhalten als am Ende genau zu wissen, welche Einkommensart oder welche Einkommenshöhe hinter den jeweiligen Antworten steht. Entsprechend wurden die Fragen zu demografischen/ statistischen Merkmalen sehr knapp gehalten. Die Tabelle 1 gibt Aufschluss über die bekannten Merkmale der befragten Eltern.
| 1. Auswertung/ % (N=21) | 2. Auswertung/ % (N=52) | ||
|---|---|---|---|
| *) Unter den Alleinerziehenden sind 3 Väter, die bereits in der ersten Auswertung dabei waren | |||
| Familie | Allein erziehend *) | 52 | 44 |
| Elternpaar | 48 | 66 | |
| Berufstätigkeit | Berufstätig | 33 | 56 |
| Nicht berufstätig | 38 | 21 | |
| Arbeit suchend | 29 | 23 | |
| Anzahl der Kinder | 1 | 48 | 46 |
| 2 | 29 | 35 | |
| 3 | 14 | 14 | |
| 4 | 0 | 2 | |
| 5 | 9 | 4 | |
| Wer hat ausgefüllt | Vater | 14 | 14 |
| Mutter | 76 | 73 | |
| beide | 10 | 13 | |
Die Tabelle weist zusätzlich zur aktuellen Stichprobenbeschreibung die Werte der ersten Auswertungsrunde von Mitte Juni 2007 aus. Sie scheinen ein Hinweis darauf, dass sich die Elternstichprobe durch Integration der "Einrichtungseltern" gegenüber den informellen BSP - Nutzer/innen verändert hat. Dies betrifft vor allem zwei Aspekte:
- Sehr deutlich verschoben hat sich das Verhältnis von Alleinerziehenden zu Elternpaaren, wobei in der ersten Elterngruppe aus der direkten Umgebung des BSP mehr Alleinerziehende waren.
- Auch das Verhältnis von Berufstätigen zu nicht Berufstätigen bzw. Arbeitssuchenden ist stark verändert: Mehr Eltern geben in der zweiten Runde Berufstätigkeit an.
Relativ gleich bei beiden Auswertungen ist dagegen die Familiengröße bzw. die Zahl der Kinder in einer Familie. Die genannten Veränderungen jedoch weisen auf eine Merkmalskombination hin, die in der ersten Runde noch nicht ersichtlich war.
Bei einer weiteren Befragung sollte deshalb die Art des Kontaktes zum BSP mit erhoben werden; ähnlich wie bei den Expert/innen geschehen. Diese Information könnte manches Antwortmuster deutlicher erklären, vor allem bei der Frage, inwieweit bzw. wie der BSP die Familien unterstützt bzw. unterstützen kann.
IV) Ergebnisse der Expertenbefragung
Im dritten Teil der Evaluation BSP Wilde Blüte geht es ausschließlich um die befragten Experten und Expert/innen. Basis der Daten ist, wie bei der Elternbefragung, ein Fragebogen mit vorgegebenen Antwortoptionen und so genannten offenen Kategorien. Die methodische Bearbeitung geschah analog den Daten der interviewten Kinder und befragten Eltern.
Bei unseren Experten und Expertinnen handelt es sich nicht um eine ausgewiesene Expertenschaft zu Bau- und Abenteuerspielplätzen. Vielmehr handelt es sich bei unseren Expert/innen um einen professionellen Kreis von Personen, die räumlich oder fachlich mit dem BSP zusammen arbeiten bzw. in inhaltlich verwandten Feldern tätig sind.
1. Wer sind unsere Expert/innen?
1.1 Verteiler und Rücklauf
Insgesamt wurden von ESTAruppin e.V. 85 Fragebogen an Experten und Expertinnen verteilt. Davon kamen 45 ausgefüllt zurück und konnten in die Auswertung einfließen. Mit 53% ausgefüllten Fragebogen kann der Rücklauf als gut bezeichnet werden.
Die Mehrzahl der Fragebogen ging an Experten aus pädagogischen Berufsfeldern; ergänzend aber auch an andere Institutionen, die das Gemeinwesen oder das Wohnen betreffen. Verteilt wurden Fragebögen an
- Erzieher/innen und Lehrkräfte in Kitas und Schulen
- Ämter in Neuruppin, z.B. Gesundheitsamt OPR, Stadtverwaltung, Jugendamt
- Wohnbaugesellschaften in der Nachbarschaft des BSP
Die Angabe von Institution oder Name blieb den gefragten Experten überlassen, genau so der Beruf des/ der Ausfüller/in. Aus diesem Grund kann keine systematische Angabe der Institutionen erfolgen, die tatsächlich an der Evaluation teilnahmen. Wie bei den Elternfragebogen handelte es sich auch bei den Expert/innen um eine Abwägung zwischen Informationseinbußen und der Bereitschaft, überhaupt bei einer solchen Aktion mitzumachen. Dies bestätigte sich auch bei dieser Umfrage: Mehr als die Hälfte der Expert/innen zog es vor, anonym zu bleiben.
Für die Aussagekraft von befragten Expert/innen ist ausschlaggebend, in welchem professionellen oder sachlichen Kontakt diese zum Gegenstand der Evaluation, hier BSP, stehen. Wir können diesen Kontakt zwar nicht anhand der Einrichtungen oder Berufe nachweisen. Wir erfragten jedoch, welchen Kontakt unsere Expert/innen zum BSP Wilde Blüte haben.
1.2 Woher kennen die Expert/innen den BSP?
Was Expert/innen über den BSP sagen können, hängt davon ab, ob und wie gut sie diesen überhaupt kennen. Von allen Expert/innen in dieser Auswertung sagte nur eine Person, sie kenne den BSP nicht genug, um mehr Einschätzungen oder Ideen zu formulieren. Diese Person nannte nur wenig inhaltliche Aspekte. Wir gehen also davon aus, dass alle anderen Expert/innen den BSP gut genug kennen, um etwas Fundiertes darüber aussagen zu können.
Der Fragebogen für die Expert/innen gab fünf Antwortoptionen dazu vor, woher die Befragten den BSP kennen. Alle Optionen beschreiben ein aktives Kennen des Platzes. Damit sollte vermieden werden, dass Meinungen aus zweiter Hand einfließen. Es gab die Möglichkeit, mehrere Optionen anzukreuzen.
Abbildung 20: Woher kennen die befragten Expert/innen den BSP?
(N=45, Prozentangaben)
Die meisten Befragten kennen den Platz aus mehreren Gründen, in der Regel werden zwei bis drei Optionen angegeben, wobei zwei Optionen gleichzeitig das Minimum darstellen. Die folgende Abbildung gibt einen Überblick darüber, wie oft welche Kontaktoption von den Befragten genannt wurden.
Die Abbildung belegt, dass überwiegend pädagogisch Tätige den Fragebogen ausfüllten. Die Nutzung als Kita oder Schule wird am häufigsten als Kontaktart zum BSP genannt. Von Besuchen oder Veranstaltungen dagegen kennt etwa ein Drittel den Platz. Für die künftige Nutzung des BSP bzw. für ein erweitertes Nutzungskonzept ist interessant, dass
- fast die Hälfte der Befragten bereits jetzt mit dem BSP in pädagogischer oder gesundheitlicher Ausrichtung kooperiert und
- etwa ein Drittel sich eine weitergehende Kooperation vorstellen kann bzw. diese plant.
Unsere Expert/innen sind keine Expert/innen für den BSP, sondern für einen Bereich, der die Arbeit des BSP entweder durch räumliche oder fachliche Nähe berührt. Ihre Auskünfte sind vor diesem Hintergrund zu bewerten. Bei allen folgenden Ergebnissen wird jeweils geprüft, ob und wie die Kontaktart Einfluss auf weitere Einschätzungen zum BSP hat.
2. Expert/innen pro BSP Wilde Blüte
Aus finanziellen Gründen fiel die Entscheidung für Fragebogen anstatt für Interviews mit den Expert/innen. Fragebogen haben den Nachteil, dass sie Antworten vorgeben. Entsprechend sind die Auskünfte nur so gut wie die Fragen, die man sich vorher überlegt. Gemeinsam mit dem Team des BSP entstanden zwei Listen - eine Pro und eine Contra, die dann den Experten vorgelegt wurden. Zusätzlich gab es die Option, eigene Pro´s und Contra´s zu formulieren. Dies nutzten 29% der Befragten bei den Pro-Aussagen und 16% bei den Contra-Aussagen.
2.1 Was spricht für den BSP Wilde Blüte im Neubaugebiet?
Analog zu den Kinderinterviews und den Elternfragebogen wollten wir von den Expert/innen wissen, wodurch sich der BSP aus ihrer Sicht auszeichnet bzw. was für den BSP im Neugebiet spricht.
Für den BSP spricht laut Angaben der Befragten der Bedarf für einen betreuten Spielplatz im Neugebiet. Zu 100%, also einstimmig, bejahten alle Befragten diesen Bedarf. Sie bestätigen damit nicht nur den betreuten Platz, sondern auch den betreuten Platz in genau dieser Region. Wie die befragten Eltern sprechen sie sich also für die Fortführung des BSP aus.
Betrachten wir zunächst die Pro-Argumente der befragten Expert/innen genauer, die der Fragebogen zur Auswahl stellte. Befragte konnten mehrfach antworten. Im Anschluss werden dann die Argumente vorgestellt, die Befragte zusätzlich formulierten.
Niemand von den Befragten fand gar kein Pro-Argument. Die niedrigste Anzahl von Pro´s auf einem Fragebogen lag bei 2 Argumenten. Alle befragten Expert/innen gaben also positive Einschätzungen ab. Die Abbildung 21 gibt einen Überblick über die Häufigkeit, mit der die einzelnen Argumente von den Befragten gewählt wurden.
Das gewichtigste Argument sagt aus, dass der BSP Wilde Blüte in diesem Neubaugebiet der einzig ganzjährig geöffnete Außenspielplatz ist, der Sport und Bewegung bietet. Die Region ist determiniert von mehrstöckigen Wohnhäusern mit eher kleinen Wohnungen. Die "bewegten" Spielmöglichkeiten für Kinder sind also in den Häusern deutlich eingeschränkt. Entsprechend führen die Aspekte "betreut" und "ganzjährig Sport/ Bewegung" bei Experten, Eltern und teils bei Kindern die Hitliste der Vorteile des BSP an.
Abbildung 21: Was spricht aus Sicht der Expert/innen für den BSP Wilde Blüte?
(N=45, Prozentangaben)
Die Auswertung ergab noch weitere übereinstimmende Meinungen zwischen Expert/innen und Eltern. So gewichtigen beide Gruppen den Vorteil "kostenfreie Betreuung" sehr stark. Expert/innen sprechen sich weiterhin dafür aus, dass der BSP einen unkomplizierten Kontakt zu sozial schwachen oder benachteiligten Familien ermögliche und insgesamt familienfreundlich sei. Auch viele Eltern lobten den unkomplizierten Kontakt zum BSP: man könne unverbindlich dort vorbeikommen, die Atmosphäre sei unkompliziert und familiär.
Bei den vielen Expert/innen, die den BSP kennen, weil sie ihn mit ihren Schulklassen, Kita- oder Hortgruppen nutzen, ist es nahe liegend, dass die Nutzungsmöglichkeiten für andere Einrichtungen als Vorteil betont werden. Zusätzliche Formulierungen von Expert/innen verweisen darauf, dass dieser Aspekt des BSP weiter ausgebaut werden könnte.
Der niedrigschwellige Kontakt zu sozial benachteiligten Familien durch das Team des BSP wird von den Expert/innen deutlich gewichtiger beurteilt als von den befragten Eltern. Während sich von den Eltern etwa ein Drittel bei der familiären Erziehung durch den BSP unterstützt fühlt oder das Team als Ansprechpartner bei Problemen bezeichnet, schätzen die Experten diese Aspekte deutlich gewichtiger ein: Von ihnen sehen 80% eine Unterstützung für sozial benachteiligte Familien und 68% finden es gut, dass informelle Arbeit mit Kindern/ Jugendlichen mit Elternarbeit verknüpft wird.
Faktisch muss dies als Herausforderung für das Team des BSP betrachtet werden. Elternarbeit ist weder im Rahmen des BSP noch in der sozialen Umgebung eine selbstverständliche Aufgabe. Als wenige Beispiele dafür: Die befragten Eltern beurteilten den BSP sehr positiv, allerdings wurden nur 30% aller ausgeteilten Elternfragebogen beantwortet. Bei der Befragung der Kinder zeigte sich, dass bei mindestens 40% der Kinder niemand sonst aus der Familie den BSP besucht. Bei etwa einem Drittel kommen zwar Eltern vorbei, aber viele lediglich zum Abholen der Kinder oder bei besonderen Ereignissen, z.B. einer Geburtstagsparty.
Der niedrigschwellige Kontakt zu den Familien findet also vor allem über die Kinder statt. Und genau dies kann nur durch eine professionelle Betreuung des Platzes gewährt bleiben.
2.2 Was noch spricht für den BSP Wilde Blüte?
Welche positiven Argumente führten die befragten ExpertInnen zusätzlich an? Im Folgenden werden alle Zusätze der ExpertInnen aufgelistet; nur wenige davon nannten mehrere Expert/innen: Der BSP
- biete eine "interessante Alternative zu Computer und Fernsehen",
- verfolge einen ganzheitlichen pädagogischen Ansatz,
- biete praktisches Lernen und Trainieren sozialer Verhaltensweisen, z.B. durch regelmäßigen Platzrat, Regeln zum gewaltfreien Umgang miteinander,
- mache Angebote für Kinder und Jugendliche, die "sonst sich selbst überlassen" wären, z.B. Arbeitsgruppen, Bastelrunden,
- ziele auf Frühförderung der Kinder ab und
- bedeute für Kinder und Familien kurze Wege durch die Lage im Wohngebiet.
2.3 Wer sieht welche Vorteile?
Wie beeinflusst die Art des Kontakts zum BSP die Einschätzungen der befragten Expert/innen? Zunächst ist festzuhalten, dass es ganz egal ist, auf wie viele Arten jemand Kontakt zum BSP hat: Die grundsätzlich positive Sichtweise ist davon nicht beeinflusst. Jedoch ist offensichtlich, dass mit bestimmten Kontaktarten auch bestimmte Aspekte des BSP favorisiert werden. Dies bestätigt, dass die Expert/innen tatsächlich aus ihrer jeweiligen fachlichen Sicht heraus den BSP einschätzen.
Am deutlichsten wird dies bei dem Drittel der Expert/innen, die eine künftige Kooperation planen bzw. die bestehende Kooperation ausbauen wollen. Sie führen signifikant (5%-Niveau) häufiger folgende fachliche Aspekte ins Feld:
- Kooperation mit anderen Einrichtungen
- Ganzjähriger Außenplatz mit Betreuung
- Verbindung von informeller Kinder- und Jugendarbeit mit Elternarbeit sowie
- Insgesamt signifikant mehr Argumente für den BSP als diejenigen, die keine Zusammenarbeit planen.
Da es hier um Planungen geht, könnte man die Argumente teils auch als Erwartungen dieser künftigen Kooperationspartner/innen interpretieren. Insbesondere die genannte Elternarbeit dürfte in einem größeren Stil eine echte Herausforderung darstellen.
Nutzer/innen aus anderen Einrichtungen wie Kitas und Schulen gewichteten ebenfalls die Möglichkeit zu Bewegung und Sport verstärkt; ebenso wie diejenigen, die bereits jetzt mit dem BSP fachlich kooperieren. Letztere haben - gemeinsam mit den Besucher/innen - verstärkt den Eindruck, dass sozial benachteiligte Familien dort unterstützt und deren Kinder dort gefördert werden.
Kennen Expert/innen den BSP auch, weil eigene Kinder dort spielen, so beeinflusst das ihre Einschätzungen des BSP (statistisch gesehen) gar nicht. Als Gruppe favorisieren sie keine Argumente, sondern streuen ihre positiven Einschätzungen über die ganze argumentative Palette.
Die Wertschätzung des BSP durch die Expert/innen hat also weniger damit zu tun, wie vielschichtig ihr Kontakt zum BSP ist. Vielmehr wird der BSP von den Expert/Innen als Teil eines Netzwerkes betrachtet, als ein Kooperationspartner mit bestimmten Vorteilen, der die Erfüllung der eigenen Aufgaben unterstützen kann.
3. Contra BSP Wilde Blüte - Lärmschutz
Der Fragebogen für die Expert/innen sollte auch über kritische Wertschätzungen Aufschluss geben. Entsprechend enthielt er einige Argumente, die inhaltlich kritisch gegenüber dem Bauspielplatz formuliert sind. Etwa, dass bereits genügend Angebote für Kinder und Jugendliche im Neubaugebiet vorhanden seien oder die Finanzen woanders dringender benötigt würden. Im Anschreiben an die Expert/innen wurde zusätzlich auf das Problem "Lärmschutz" hingewiesen. Daneben waren die Befragten eingeladen, selbst kritische Argumente formulieren.
Der einzige kritische Aspekt jedoch, der die befragten Expert/inen beschäftigte, ist die Lage im Wohngebiet. Deutlich weniger als ein Fünftel der Expert/innen ergänzte den Aspekt "Lage" mit Verständnis für die Beschwerden die Anwohner/innen bzw. mit der Notwendigkeit von Lärmschutzmaßnahmen. Ein typisches Zitat:
"Lärmschutz wichtig - die Bedürfnisse der Anwohner nicht vergessen."
Eine Anmerkung beinhaltet die Sorge um den Gesamteindruck der Wohnumgebung: Diese solle nicht negativ beeinflusst werden. Einmal wird der Vorschlag gemacht, die "Lärmzeiten" zu begrenzen. Ein andermal, sie in "erträglichen Rahmen zu halten". Ansonsten erfährt dieses wichtige Thema keine neuen Anregungen von den befragten Expert/innen.
Abbildung 22: Verhältnis von Pro und Contra bei den befragten Expert/innen
(N= 45, Prozentangaben)
Das Team bzw. die Betreiberin trägt eine große Verantwortung bei der Lösung dieser konkurrierenden Ansprüche der Anwohner/innen. Denn: Auch die Kinder sind Anwohner/innen. Wie die Interviews aufzeigen, wohnen nahezu alle Kinder in einer Laufdistanz von weniger als 5 Minuten. Und: Etwa 8 von 10 interviewten Kindern kommen u.a. wegen der Möglichkeit zu bauen bzw. mit "echtem" Werkzeug umzugehen. Die geplante Erweiterung des Platzes könnte eine Teillösung darstellen. Viele Eltern (ca. 40%) boten ihre Hilfe bei Bauprojekten an: Wie wäre es mit einer Lärmschutzwand?
4. Was ist noch möglich?
Ein sehr wichtiger Aspekt bei der Expertenumfrage ist die künftige Vernetzung mit anderen Einrichtungen in der Region sowie ein erweitertes Angebot des BSP. Alle Expert/innen waren eingeladen, ihre Ideen und Vorstellungen zu diesem Thema zu formulieren.
Abbildung 23: Verhältnis von Expert/innen mit und ohne Vorschläge
(N=45, Prozentangaben)
Expert/innen sind in ihren eigenen Arbeitsfeldern tätig und haben in der Regel genug mit der Entwicklung und Umsetzung eigener Konzepte zu tun. Es scheint mir ein Ergebnis dieser Umfrage, dass viele sich bereit und willens zu einer Kooperation zeigen, aber dass Ideen, die zu konkreten Angeboten und Möglichkeiten führen, das Team des BSP bzw. die Betreiberin relativ eigenständig erarbeiten muss. Dennoch ist es sehr lohnenswert sich die Vorschläge der Expert/innen im Einzelnen anzuschauen. Zum einen liegen von wenigen Expert/innen insgesamt 15 inhaltliche Vorschläge vor. Zum anderen sind diesie teils recht detailliert.
Neben vereinzelten Aussagen, die z.B. eine weitere Integration der Eltern vorschlagen oder sich vom Team ein Jahresprogramm wünschen, sind es vor allem Vorschläge zu einer weiteren Vernetzung des BSP mit anderen sozialen oder pädagogischen Einrichtungen in Neuruppin.
Hervorzuheben ist, dass sich eine Reihe der Expert/innen wünschen, die bereits bestehende Kooperation fortzuführen und entwickelte Pläne umzusetzen. Besonders augenfällig ist die Darstellung des Gesundheitsamtes OPR. Es beschreibt detaillierte Aktivitäten, die zur Frühförderung der Kinder, aber auch Früherkennung von möglichen Problemen in den Familien beitragen können. Die weitere Kooperation mit dem BSP wird als "sehr wünschenswert" bezeichnet.
Die meisten Vorschläge beziehen sich darauf, gemeinsam mit Erzieher/innen von Ganztagschulen/ Kitas Programme/ Projekte zu entwickeln und diese auch gemeinsam personell durchzuführen. Somit könnte der BSP "ein fester Bestandteil der Gesamtschulen" werden. Erziehere/innen der Schule regelmäßig mit den Kindern auf dem BSP einsetzen, wird auch genannt, z.B. einmal monatlich. Ein beispielhaftes Zitat: "... spielerische Anleitungen, z.B. ein Projekt, wo die Kinder den Umgang mit Werkzeug kennen lernen. Daran anschließend dann ein Projekt, z.B. Holzspielsachen selber machen. Solche Projekte, die speziell von Kitas genutzt werden können".
Oder, wie ein anderer Vorschlag lautet, eine "ergänzende Ferienbetreuung" für die Horte in Neuruppin. Für eine verstärkte Vernetzung der kirchlichen Kinder- und Jugendarbeit spricht sich ebenfalls jemand aus der Expertengruppe aus.
Einmal wurde auch vorgeschlagen, dass die Mitarbeiter/innen des BSP andere Einrichtungen bei Bauten auf deren Gelände unterstützen könnten. Hauptthema beim Grundgedanken Vernetzung ist das Angebot zur projektbezogenen Zusammenarbeit mit Kita-Gruppen oder Schulklassen bzw. Erzieher/innen der Gesamtschule.
Nicht erwähnt werden Förderschulen. Von den interviewten Kindern besucht jedoch mehr als ein Viertel die Förderschule. Für diese Kinder ist Lernen am Material besonders sinnvoll, oft sogar der ausschließliche Zugang zum Lernen. Eventuell sollte der BSP von sich aus auf die entsprechenden Schulen zugehen und Angebote machen.

